Von Bord gehen
Während Guido Westerwelle seine Möglichkeit als Außenminister nutzt, um sich auf dem Balkan von der Diskussion über die FDP im Ausland abzulenken, ziehen andere FDP-Parteimitglieder klare Konsequenzen aus der desolaten Lage der Partei. So hat sich die FDP-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Berlin Tempelhof-Schöneberg aufgelöst. Begründung: In der FDP des Bezirks sei keine politische Arbeit möglich. Auf den ersten Blick erschließt sich in dieser Begründung der Neuigkeitswert der Nachricht nicht; für kleinteilige politische Arbeit ist die FDP schließlich nie bekannt gewesen. Aber – frei nach und getreu dem Motto „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ – ist die Auflösung der FPD-Fraktion mit einer bemerkenswerten Absetzbewegung verbunden: Drei der vier Fraktionsmitglieder treten in die CDU-Fraktion ein. Womit festzuhalten wäre: Erstens, der FDP-Fisch stinkt nicht nur vom Kopf her, sondern auch von der Flosse. Und zweitens belegt der Wechsel in die CDU, dass der Bürgerwillen und das Mandat in Reihen der FDP nicht wirklich ernst genommen werden. Drittens: Offenbar handeln FDPler weniger instinktsicher als oben genannte Ratten, da diese kaum den Weg von einem untergehenden auf ein untergegangenes Schiff wählen würden (daher entschuldigen wir uns auch für den falsch gewählten Vergleich).
Auch in Niedersachsen sind erste Anzeichen der Erosion zu erkennen. In einem Brief an Westerwelle formuliert die Auricher FDP den Wunsch: „Wir wollen das Schiff FDP wieder in die richtige Richtung bringen!“ Chapeau!
Die „Netzwerk Avantgarde“, der sich auch die Auricher FDP angeschlossen hat, hat in einer Untersuchung festgestellt, dass man nicht viel von Westerwelle halte. Dem kann man nichts hinzufügen. Wir schließen aber mit den versöhnlichen Worten Goethes: „Gewissen Geistern muss man ihre Idiotismen lassen.“
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